Die Porzellane im Frühstückskabinett

Das Frühstückskabinett befindet sich im Westflügel von Schloss Schönbrunn und grenzt heute an das Kinderzimmer mit den Porträts der Töchter Maria Theresias.

Die Porzellane im Frühstückskabinett

Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde ein weiteres Mal die erfolgreiche Zusammenarbeit der Schönbrunn Group mit dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter Beweis gestellt.

Das Frühstückskabinett befindet sich im Westflügel von Schloss Schönbrunn und grenzt heute an das Kinderzimmer mit den Porträts der Töchter Maria Theresias.

Die Anlage des kleinen, intimen Kabinetts und dessen Erstausstattung gehen auf die Zeit des Ausbaues von Schönbrunn als Sommerresidenz unter Maria Theresia ab 1743 zurück. 1916 kam es zur baulichen Umgestaltung dieser Räumlichkeiten und das Versetzen von Türen, wodurch die Raumfolge des 18. Jahrhunderts verändert wurde.

Im 18. Jahrhundert besaß der Raum eine hellgrün-weiße Vertäfelung. Bis heute bewahrt sind die einzigartigen Blumenbouquets aus Seidenripsapplikationen als Teil der Wandgestaltung. Zudem waren schon damals verschiedene Porzellane Teil der Ausstattung. Quellen berichteten von Vasen mit der Farbgebung rot-weiß-gold, von „indianischen“ – asiatischen – Vasen, und auch von chinesischen Porzellan-Figürchen. Vermutlich befinden sich die heute hier aufgestellten Vasen seit den 1830er Jahren im Frühstückskabinett. Diese wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien und der Schönbrunn Group 2023/24 restauriert.
Birgit Schmidt-Messner

Historischer und aktueller Blick in das Frühstückskabinett

Projektumfang und Beteiligte

Die Herausforderung des vorliegenden Projektes lag in der Konservierung und Restaurierung von neun Vasen, die nicht nur eine ausgeprägte Restaurierungsgeschichte aufwiesen, sondern auch Teil einer historischen Raumausstattung sind. Für die Umsetzung baute die Schönbrunn Group auf eine langjährige Kooperation mit dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien. Ein Team von 4 Studentinnen arbeitete zeitversetzt von Oktober 2023 bis Juni 2024 an dem Projekt, das an der Angewandten strukturell in die Lehre integriert war. Das Vordiplom von Julia Cheng umfasste unter anderem Forschungen zu Datierung und Provenienz der Vasen. Darauf folgten zwei Semesterprojekte von Aleksandra Kotula und Marlene Krischan zur Restaurierungsgeschichte und zur Restaurierung zweier Vasen aus Meissen. Den Abschluss bildete ein weiteres Semesterprojekt von Clara Stuhlhofer zur Retusche der Meissner Vasen und zur präventiven Konservierung aller neun Vasen. Die Arbeiten wurden von Eva Lenhart (Angewandte) aus konservierungswissenschaftlicher und Birgit Schmidt-Messner (Schönbrunn Group) aus kunsthistorischer Perspektive betreut und von der Bundesmobilienverwaltung unterstützt.
Eva Lenhart

Datierung und Provenienz der Porzellane

Die Porzellanausstattung des Frühstückskabinetts umfasst neun Objekte aus dem 18. - 19. Jahrhundert. Bei den jüngeren Porzellanen konnten dabei vor allem mit naturwissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt werden, da die Auffindung von Chrom und Uran im Dekor ein eindeutiges Indiz für Erzeugnisse des 19. Jahrhunderts darstellt.

In der Auseinandersetzung mit dem Ursprung der Porzellane stellten Vergleichsbeispiele wesentliche Quellen für die Zuschreibung möglicher Provenienzen dar. So können drei der Vasen eindeutig den europäischen Manufakturen Meissen & Vincennes-Sèvres zugeordnet werden, zwei Paare japanischen und chinesischen Ursprüngen gefolgt von einem Paar einer möglichen europäischen Auftragsarbeit für das habsburgische Kaiserhaus.

Die europäischen Exemplare sind unter diesen Porzellanen besonders hervorzuheben, da aufgrund der Ausführung der Gestaltung auf frühe Erzeugnisse des jeweiligen Dekors geschlossen werden kann. Dadurch kann eine Datierung der Meissener Vasen auf vor 1732 und der Vincennes-Sèvres Vase auf 1750/51 vorgenommen werden.
Julia Cheng

Umgang mit den Altrestaurierungen

Das Projekt ermöglichte eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Objektgeschichte sowie den Altrestaurierungen. Mittels Literaturrecherche und der Analyse der Restaurierungsgeschichte konnten die restauratorischen Eingriffe einer groben zeitlichen Einordnung unterzogen werden. Die bislang übliche vollständige Abnahme von Altrestaurierungen, sprich die Rückführung in den vermeintlichen Originalzustand, wird von der Forschung heute kritisch hinterfragt. In diesem Zusammenhang wurden im Rahmen des Projekts Kriterien entwickelt, die einen neuen, reflektierten Umgang, insbesondere im Bereich der Keramik, ermöglichen.

Altrestaurierungen stellen nicht nur historische Eingriffe dar, sondern können selbst als bedeutende Zeugnisse vergangener Restaurierpraxen betrachtet werden. Steht eine Abnahme oder Reduzierung zur Diskussion, sind daher mehrere Aspekte sorgfältig abzuwägen. Zu den zentralen Kriterien zählen: die Stabilität der historischen Materialien, das Schadensrisiko bei der Abnahme, der historische und kulturelle Wert der Altrestaurierungen, die Qualität der damaligen Ausführung sowie das Gesamterscheinungsbild des Objekts.

Die Restaurierung der Schönbrunner Porzellane zielte auf eine subtile visuelle Beruhigung der Fehlstellen ab, ohne deren ursprünglichen Charakter zu verfälschen. Entscheidend war die Balance zwischen ästhetischer Integration und klarer Lesbarkeit der Eingriffe im Nahbereich – abgestimmt auf Präsentation und restaurierungsethische Prinzipien wie Reversibilität.
Aleksandra Kotula

Datierung der Altrestaurierungen

Ausgangssituation, erste Untersuchungen und Restaurierkonzept

Zu Beginn der Arbeit war unklar, in welchem Umfang Originalsubstanz unter der großflächigen Übermalung erhalten geblieben war. Röntgenaufnahmen bestätigten sowohl Brüche und strukturelle Schäden als auch einen überraschend hohen Anteil der ursprünglichen Substanz. Die Anlage eines Freilegefensters am Deckel der Meissener Vase bestätigte diesen Befund, sodass die Übermalung weitgehend entfernt wurde. Am Sockel beider Vasen blieb ein sogenanntes Sichtfenster der historischen Übermalung erhalten, um die Restauriergeschichte zu dokumentieren.

Die Konservierung und Restaurierung folgte einem einheitlichen, an den Erhaltungszustand angepassten Konzept: Stark beschädigte Objekte wie das Meissner Vasenpaar, wurden umfassend restauriert, während bei besser erhaltenen Objekten konservatorische Maßnahmen wie feuchte und trockene Reinigung ausreichten. Ziel war ein einheitliches Erscheinungsbild zu erlangen, da alle neun Vasen Teil der Wandgestaltung des Frühstückskabinetts sind.
Marlene Krischan

Links eine Röntgenaufnahme er Meissnervase, rechts Abnahme der Übermalung

Retusche, Kittung und präventive Maßnahmen

Zum Einsatz kam die Technik Punktretusche mit Acrylfarben auf isolierter Kittung, wodurch sich die Retusche noch aus der Nähe erkennbar in das Dekor einfügt. Der komplexe Weißton der Glasur und die teils unregelmäßige Dekorführung erforderten ein zurückhaltendes Vorgehen ohne Rekonstruktion – mit Ausnahme eines repetitiven Musterbandes. Der größere Schadensumfang der Deckelvase machte dort umfangreichere Retuschen nötig.

Die präventiven Maßnahmen umfassten eine Neumontage mit acrylglasbasiertem Stützsystem und passgenauen Staubschutzdeckeln. Beide Maßnahmen erhöhen die Erschütterungs- und Staubresistenz. Neue Positionen der Inventarnummern reduzieren künftig das Handling – ein wichtiger Beitrag zur Langzeitbewahrung dieser empfindlichen Objekte.
Clara Stuhlhofer

: Alle restaurierten Vasen mit angepassten Staubschutzdeckeln

Lehren und veränderte Lösungsansätze

Nach dem erfolgreichen Abschluss so eines Projektes stellt sich vor allem im Kontext der universitären Lehre immer die Frage nach dem Gelernten und zwar sowohl für die Studierenden als auch für die Betreuerinnen und Betreuer. Ein solches Lernergebnis ist zweifellos, dass Restaurierungen sehr stark von dem Umfeld abhängig sind, in dem sich die Objekte befinden. Das trifft ganz besonders zu, wenn sie Teil einer Raumausstattung sind. Zudem lohnt es sich, gerade bei Porzellanen Sehgewohnheiten zu hinterfragen und zu überlegen, ob und wie Restaurierungsgeschichte als wesentlicher Bestandteil der Objektgeschichte erhalten werden kann. Die Lösungsansätze mögen von Projekt zu Projekt variieren, aber es macht Sinn sie gemeinsam mit allen beteiligten Partnerinnen und Partnern zu erarbeiten und umzusetzen.
Eva Lenhart

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