Baugeschichte 19. Jahrhundert

Nach dem Tod Maria Theresias 1780 wurde Schönbrunn erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Kaiser Franz II./I. wieder genutzt. Anlässlich des Wiener Kongresses 1814/15 zeigte sich deutlich, dass Schönbrunn einer dringenden Renovierung und Neueinrichtungen dem Stil der Zeit entsprechend bedurfte. Die Erneuerung der Fassade bildete den Abschluss der Arbeiten und das Schloss erhielt unter der Leitung des Hofarchitekten Johann Aman sein heutiges Erscheinungsbild.

Baugeschichte des 19. Jahrhundert

Schloß Schönbrunn war nach dem Tod Maria Theresias seit 1780 unbewohnt und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Kaiser Franz II./I. wieder als Sommerresidenz genutzt. In diese Epoche fällt auch die zweimalige Besetzung Schönbrunns in den Jahren 1805 und 1809 durch Napoleon, der auch die ehemaligen Räume des kaiserlichen Appartements Franz I. Stephans im Ostflügel bewohnte. Anlässlich des Wiener Kongresses 1814/15 zeigte sich deutlich, dass Schönbrunn einer dringenden Restaurierung sowie einer Neueinrichtung der nunmehrigen kaiserlichen Familie im vorherrschenden Wohnstil bedurfte. Im Zuge der Erneuerungen unter Kaiser Franz II./I. kam zwischen 1817 und 1819 auch eine neue Fassadengestaltung nach den Plänen des Hofarchitekten Johann Aman zur Ausführung, die entscheidende Veränderungen mit sich brachte. Aman entfernte den reichen Rokoko-Fassadendekor Pacassis und gab dem Schloss sein heutiges Erscheinungsbild mit einer nüchternen und auf wenige Schmuckelemente reduzierten Gestaltung.

Die Ausführung des heute für die gesamte Schlossanlage typischen „Schönbrunnergelb“ geht der jüngeren Forschung zufolge nicht auf die Umgestaltung des frühen 19. Jahrhunderts zurück, sondern wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum gängigen Fassadenschema mit einer Färbelung in zwei verschiedenen Gelb- und Gelbockertönen für Wandflächen und Architekturteile der Schönbrunner Gebäude.

Das Schönbrunnergelb

Die Geschichte des Schönbrunnergelb erfreut sich bei BesucherInnen wie auch in der  einschlägigen Forschung über großes Interesse. Den jüngsten Putz- und Farbuntersuchungen zufolge war das ehemalige Jagdschloss des Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach in hellen Orange- und Ziegelrottönen (für die Nullflächen) mit weiß (architektonische Gliederungselemete) gefärbelt.

Zur Zeit Maria Theresias erhielt das Schloss zuerst eine goldocker und in den 1770er Jahren eine hellocker Farbe mit weißen beziehungsweise hellbeigen Gliederungselementen. Johann Aman, der Hofarchitekt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, verwendete für die im klassizistischen Formenkanon veränderte Fassade eine monochrome hellgraue (= steinsichtige) Fassadenfarbe.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich das typisch werdende Schönbrunnergelb, möglicherweise als bewußten Rückgriff auf die mariatheresianische Epoche, durch.

1830 wurde Franz Joseph im Ostflügel des Schlosses geboren, den seine Eltern Franz Karl und Sophie bewohnten. Franz Joseph, von seiner ehrgeizigen Mutter seit den ersten Lebensjahren auf die Rolle des zukünftigen Thronfolgers vorbereitet, verbrachte bereits während seiner Kindheit und Jugend die Sommermonate in Schönbrunn. Als er 1848 den Thron bestieg, sollte das Schloss wiederum eine glanzvolle Epoche erleben. Schon als junger Kaiser erkor Franz Joseph Schönbrunn zu seinem Lieblingswohnsitz, in dem er den Großteil seines Lebens verbrachte. Er bezog die zum Ehrenhof gelegenen Räumlichkeiten des Westflügels, die er bis zu seinem Tod am 21. November 1916 bewohnte.

Sein Appartement setzte sich in einer kontinuierlichen Abfolge aus Audienz-, Arbeits- und Schlafzimmer zusammen. Beim Audienzzimmer wurde die kostbare Nussholzvertäfelung aus der maria-theresianischen Zeit belassen, die Möblierung übernahm Franz Joseph von seinem Onkel und Vorgänger Kaiser Ferdinand I. von Österreich. Die anschließenden Privaträume des Kaisers wurden in den 1860iger Jahren neu möbliert und ausgestattet.

Anlässlich der bevorstehenden Hochzeit mit Elisabeth, Herzogin in Bayern, im Jahre 1854 wurden Adaptierungsarbeiten im Westflügel zum Hietzinger Kammergarten für die zukünftige Kaiserin vorgenommen. Auch das Elisabeth-Appartement umfasste mehrere Räume, von denen der Salon der Kaiserin das Zentrum bildete. Hier empfing die Kaiserin ihre persönlichen Besucher. Die nach Norden anschließenden Räume wie das gemeinsame Schlafzimmer, das Toilettezimmer und das Stiegenkabinett dienten Elisabeth als Privatgemächer und wurden mit schweren Palisanderholzmöbeln ausgestattet. Das sogenannte Stiegenkabinett diente als Schreibzimmer. Die 1863 eingebaute und nach dem Ende der Monarchie abgebrochene Wendeltreppe, die dem Raum den Namen gab, ermöglichte einen direkten Zugang in die Erdgeschoßräume.

Diese unter ihrem Appartement liegenden Gartenappartements wurden mit ausschließlich privater Funktion, ähnlich wie später in Gödöllö, neu ausgestattet. Diese Gemächer setzten sich aus einem großen Salon und wahrscheinlich auch aus dem obligatorischen Turnzimmer zusammen. Die Wände waren spaliert und die Möbel in ihrer Lieblingsfarbe lila tapeziert. Im Erdgeschoß des Schlosses wurden auch die Appartements Lieblingsfarbe lila tapeziert. Im Erdgeschoß des Schlosses wurden auch die Appartements für die Kinder Franz Josephs und Elisabeths eingerichtet.

Im Anschluss an die Gemächer der Kaiserin lagen die Räumlichkeiten für die älteste Tochter Gisela an der westlichen Südseite des Schlosses, für den Kronprinzen Rudolf wurde ab 1867 das sogenannte Kronprinzen-Appartement an der Meidlinger Seite zum Kronprinzengarten etabliert. Zum Appartement gehörten auch die südseitig gelegenen Weißgoldzimmer als Repräsentationsräume, die heute für Veranstaltungen genutzt werden.
Im gesamten Erdgeschossbereich blieben die aus der maria-theresianischen Zeit stammenden Deckenstuckdekorationen, die Holzvertäfelungen im Weißgold-Akkord und die auf Leinwand ausgeführten Landschaftsmalereien weitgehend erhalten.

Anlässlich der bevorstehenden Weltausstellung im Jahre 1873 in Wien und nach dem Tod des Erzherzogpaares Franz Karl und Sophie, die Eltern Franz Josephs, erfolgten ab 1869 bis 1880 umfangreiche Restaurierungen mit Rücksicht auf die ehemalige Rokoko-Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, die ergänzt beziehungsweise im Neorokoko als Ausdruck des imperialen Stils wieder hergestellt wurden. Die Arbeiten erstreckten sich auf die beiden Galerien und die Gemächer im Ostflügel, die als Appartements für Gäste beziehungsweise für eine angemessene Repräsentation des Wiener Hofes zur Verfügung standen. In diesen Räumen wurden die Wände mit Tapisserien aus den kaiserlichen Sammlungen oder mit rotem Ananasdamast neu spaliert.

Weiterführende Literatur-Tipps:

  • Iby, Elfriede. Von „Taffett“, Gaze und Rosenholz. In: Vavra, Elisabeth (Hrsg.). Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich. Katalog zur oberösterreichischen Landesausstellung. Band 2. Augsburg 2012
  • Iby, Elfriede. Die kaiserlichen Appartements in Schönbrunn von 1835 bis 1918. In: Telesko, Werner. Die Wiener Hofburg zwischen 1835 und 1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des „Kaiserforums“ (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse 446. Veröffentlichung zur Kunstgeschichte. Wien  2013)