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Geschichte


Schönbrunn Fassade 19. Jahrhundert (c) SKB

Vom Jagdschloss zur Sommerresidenz

Ein Überblick über die spannende Baugeschichte von Schloß Schönbrunn, dessen Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Erfahren Sie auch, wie das berühmte Schönbrunnergelb entstanden ist!

Die Anfänge von Schönbrunn

Die Geschichte Schönbrunns und seiner Vorgängerbauten reicht bis ins Mittelalter (14. Jh.) zurück. 1569 gelangte das Anwesen der "Katterburg" durch Maximilian II. in habsburgischen Besitz. Kaiser Matthias gab dem Areal einer Legende zufolge durch die Entdeckung einer Quelle seinen heutigen Namen.

Die Anfänge von Schönbrunn

Die Geschichte Schönbrunns und seiner Vorgängerbauten reicht bis ins Mittelalter zurück. Das gesamte Anwesen wurde seit Beginn des 14. Jahrhunderts als „Katterburg“ (= Ortsname) bezeichnet und befand sich im Grundherrschaftsbereich des Stifts Klosterneuburg. Neben einem Mühlenbetrieb wurde auf dem Areal Wein- und Ackerbau betrieben. In den folgenden Jahrhunderten schienen zahlreiche Pächter auf, darunter auch sehr prominente wie der Wiener Bürgermeister Hermann Bayer im Jahr 1548, der das Anwesen baulich erweitern und in einen Herrensitz umwandeln ließ.

1569 gelangte das Anwesen durch Maximilian II. in habsburgischen Besitz, zu dem laut Kaufvertrag ein Haus, eine Mühle, ein Stall sowie ein Lust- und Obstgarten gehörten. Maximilians Interesse galt hauptsächlich dem Ausbau des Tiergartens, der vornehmlich für die Haltung einheimischen Jagdwildes und Geflügels bestimmt war. Im Fasangarten wurde aber auch exotisches Geflügel wie Pfauen und Truthähne gehalten.

Nach dem überraschenden Tod Maximilians II. im Jahre 1576 kam Katterburg in den Besitz Rudolphs II., der lediglich die Mittel zur Instandhaltung bereitstellte, die Anlage jedoch selbst nie besuchte. Erst sein Nachfolger Kaiser Matthias nutzte das Areal zum Jagen und soll einer Legende zufolge bei einem seiner Jagdausflüge im Jahre 1612 jene Quelle entdeckt haben, die später als „Schöner Brunnen“ dem Areal den Namen gab.

Auch sein Nachfolger Kaiser Ferdinand II. und dessen Gemahlin Eleonora von Gonzaga, beide leidenschaftliche Jäger, wählten Schönbrunn als Aufenthaltsort für Jagdgesellschaften. Nach dem Tod Ferdinands 1637 wurde das Anwesen Witwensitz und die kunstsinnige Kaiserinwitwe führte hier ein reges gesellschaftliches Leben, für das sie einen repräsentativen architektonischen Rahmen benötigte. Sie ließ daher um 1642 ein Lustschloss errichten, das mit der Umbenennung des Anwesens auf den Namen „Schönbrunn“ einherging, der im gleichen Jahr erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Von den mit der zweiten Türkenbelagerung einhergehenden Verwüstungen im Jahre 1683 blieb auch Schönbrunn mit Lusthaus und Tiergarten nicht verschont. Kaiser Leopold I., in dessen Besitz sich das Schloss seit 1686 befand, fasste den Entschluss, Schönbrunn dem Thronfolger Joseph zu überlassen und für diesen einen repräsentativen Neubau zu errichten. Als bald darauf durch adelige Vermittlung der in Rom ausgebildete Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach an den kaiserlichen Hof kam, legte dieser 1688 dem Kaiser den sogenannten „Schönbrunn I-Entwurf“ vor, mit dem er sein architektonisches Können unter Beweis stellen und damit das kaiserliche Interesse gewinnen wollte. Fischer wurde daraufhin 1689 zum Architekturlehrer des Thronfolgers ernannt und reüssierte in der Folge zum meist beschäftigten Architekten des Hofes und des Adels.

Baugeschichte 17. Jahrhundert / Anfang des 18. Jahrhundert

Schönbrunn blieb von der Türkenbelagerung im Jahre 1683 nicht verschont. In der Folge wurde ein Jagdschloss nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet, blieb aber durch den plötzlichen Tod Josephs I. (1711) unvollendet und diente seiner Gemahlin Wilhelmine Amalia als Witwensitz. 1728 übernahm Kaiser Karl VI. das unvollendete Schloss von seiner Schwägerin Wilhelmine Amalia und schenkte es in der Folge seiner Tochter Maria Theresia.

Baugeschichte 17. Jahrhundert / Anfang des 18. Jahrhundert

1693 beauftragte Leopold I. Johann Bernhard Fischer von Erlach mit konkreten Plänen für den Bau eines Jagdschlosses, das ab 1696 zum Teil auf den noch vorhandenen Grundmauern des von den Türken verwüsteten Lustschlosses der Kaiserinwitwe errichtet wurde. Im Frühjahr 1700 war der Mitteltrakt des Schlosses fertiggestellt und bewohnbar. Der Ausbau der Seitenflügel kam durch den spanischen Erbfolgekrieg ab 1701 und den damit verbundenen Finanznöten ins Stocken, die noch notwendigen Bauarbeiten nach dem überraschenden Tod Josephs gänzlich zum Erliegen. Fischer von Erlach zeichnete nicht nur für die Planung des Schlosses verantwortlich, auch die Bauarbeiten unterstanden seiner unmittelbaren Aufsicht. Im Zusammenhang mit dieser großen und repräsentativen Aufgabe steht wahrscheinlich auch die Verleihung des Adelsprädikats „von Erlach“ durch Kaiser Leopold.

Der Bau des Jagschlosses am Fuße des Berges wurde im Gegensatz zu einem ersten, weitgehend utopischen Entwurf, der ausladende Auffahrtsrampen, Kolonnaden und Wasserspiele vom Wienfluss bis zum Schloss auf der Anhöhe des Schönbrunner Berges vorsah, am Fuße des Berges ausgeführt.

Die gesamte Anlage ist entsprechend einer barocken Schlossanlage durch die Zentralachse bestimmt. Der kompakte Baukörper des Schlosses mit einer monumentalen

Freitreppenanlage vor dem Mittelrisalit wurde von seitlichen Trakten für Marställe flankiert. Diese Bauten umschlossen einen Ehrenhof, der im Norden durch ein adlerbekröntes Obeliskentor mit Herkulesgruppen begrenzt wurde.

Die Repräsentationsräume des Jagdschlosses lagen an der Ehrenhofseite, die Privatgemächer Josephs I. dagegen an der Gartenseite im Westteil des Schlosses, während die Unterkunft von Gästen im Ostflügel vorgesehen war. Eine wahrscheinlich erst später geplante Kaiserintreppe im Westflügel sollte die Gemächer der Kaiserin erschließen.

Das unvollendete Schloss diente in der Folge als Witwensitz für Wilhelmine Amalie. 1728 übernahm Kaiser Karl VI. Schönbrunn, der das Anwesen jedoch lediglich zum Fasanenschießen aufsuchte. Er soll die Anlage schließlich seiner Tochter Maria Theresia geschenkt haben, die schon immer eine Vorliebe für das Schloss und die umliegenden Gärten hatte. Die Regierungszeit Maria Theresias bedeutete für Schönbrunn eine glanzvolle Epoche. Das Schloss wurde zum Mittelpunkt des höfischen und politischen Lebens. Unter ihrem persönlichen Einfluss und unter der Leitung des Architekten Nikolaus Pacassi wurde das ehemalige Jagdschloss Josephs I. zu einer Sommerresidenz umgebaut und erweitert.

Weiterführende Literatur-Tipps:

  • Lorenz, Hellmut. Johann Bernhard Fischer von Erlach. Zürich-München-London 1992
  • Iby, Elfriede (Hrsg.) Schloß Schönbrunn: Zur frühen Baugeschichte. Wissenschaftliche Reihe Schönbrunn. Band 2. Wien 1996
  • Hassmann, Elisabeth. Von Katterburg zu Schönbrunn. Die Geschichte Schönbrunns bis Kaiser Leopold I. Wien-Köln-Weimar 2004

Baugeschichte 18. Jahrhundert

Im Winter 1742/43 begannen die ersten Herstellungsarbeiten an dem ehemaligen Jagdschloss, die in der Folge in einen großen Umbau zu einer repräsentativen und (ab 1745) kaiserlichen Sommerresidenz gipfelten. Die Arbeiten sollten aufgrund laufend veränderter Verhältnisse und der ständigen Umbauwünsche Maria Theresias als (Um-)Bauherrin bis in die 1760er Jahre andauern. Als letztes großes Projekt nahm die Kaiserin in den 1770er Jahren die Ausgestaltung des Gartens in Angriff.

Baugeschichte 18. Jahrhundert

Das Gemälde Rebhühner vor Schönbrunn von Johann Georg Hamilton, datiert 1732 stellt eine bedeutende Bildquelle dar. Es zeigt das Jagdschloss Fischers mit seiner ausladenden Freitreppenanlage und dem statuenbesetzten Flachdach im Hintergrund des Gemäldes, im Vordergrund sind Rebhühner dargestellt. Das Gemälde ist nicht nur Jagdstück; die symbolhafte Darstellung der einzelnen Elemente bildet eine Apotheose auf die gute Regierung des Kaisers, die dem Staat und dem Volk Wohlfahrt und Reichtum bringt. Das Schloss dient als Symbol der Regentschaft, die Rebhühner im Vordergrund als Symbol der Fruchtbarkeit, das Weizenfeld steht für Überfluss und das Baumskelett, aus dem ein grüner Ast sprießt, für neues Leben.
Vermutlich wählte der Künstler Schönbrunn für den Hintergrund des Gemäldes aus, um die zukünftige Bedeutung Schönbrunns vorwegzunehmen. Nur wenige Jahre später wurde aus der symbolischen Darstellung Realität, als Maria Theresia das ehemalige Jagdschloss zu ihrer Sommerresidenz ausbauen ließ.

Im Winter 1742/43 begannen die ersten Herstellungsarbeiten an dem unvollendeten Schloss und führten in der Folge in einem groß angelegten Umbauprojekt, das der Schlossanlage weitgehend das heutige Aussehen verlieh. Die erste Umbauphase von 1743–1749 erfolgte bereits unter Mitarbeit Nikolaus Pacassis, der aufgrund seiner vor allem praktischen Fähigkeiten zum leitenden Architekten avancierte und 1749 zum Hofarchitekten ernannt wurde.

Zuerst wurde mit dem Ausbau der  kaiserlichen Appartements im Ostflügel mit Audienz- und Wohnräumen für Maria Theresia und Franz Stephan begonnen, die 1746 bereits bezogen werden konnten. Die Krönung Franz Stephans von Lothringen zum römisch-deutschen Kaiser im Oktober 1745 in Frankfurt gab wohl noch einen weiteren Impuls, die nunmehrige kaiserliche Sommerresidenz Schönbrunn besonders repräsentativ auszustatten.

Ein Jahr zuvor, 1745, fand die Einweihung der neu eingerichteten Schlosskapelle statt, die in ihrer räumlichen Struktur und Gliederung jedoch in der Gestaltung Fischers von Erlach erhalten blieb. Beim Umbau des Ostflügels wurden auch die beiden Innenhöfe angelegt und die sogenannte Kapellenstiege errichtet, die die Erschließung der Beletage und zu den kaiserlichen Appartements in diesem Bereich gewährleisten sollte.

Die darauffolgenden Arbeiten im Jahre 1746 umfassten den Abbruch der zentralen Freitreppenanlage Fischers an der Ehrenhofseite, 

um im Erdgeschoss des Mittelrisalites eine großzügige Durchfahrtshalle zu schaffen und in der darüber liegenden Nobeletage die Große und Kleine Galerie anzulegen. Gleichzeitig erfolgte die Errichtung der Blauen Stiege im westlichen Seitenflügel als repräsentativer Zugang in die Nobeletage, ohne dabei die Wandgliederung des vormals von Fischer von Erlach angelegten Speisesaales mit dem Deckenfresko von Sebastiano Ricci aus den Jahren 1702/03 zu zerstören.

Durch das Anwachsen der kaiserlichen Familie war 1748 im Ostflügel ein neuerlicher baulicher Eingriff erforderlich, indem zwischen der Nobeletage und dem Obergeschoss ein Mezzanin für die Bewohnung der kaiserlichen Kinder und deren Hofstaat eingefügt wurde.

Die beiden Galerien im Mitteltrakt des Schlosses boten Platz für Festlichkeiten im großen Rahmen, bei Familienfesten im kleineren Kreis stand die Kleine Galerie zur Verfügung. Noch fehlten bei dieser ersten Umgestaltung die reiche Stuckdekoration und die Deckenfresken in den beiden Festsälen. Bei privaten Anlässen konnte man über die geschwungenen Treppenläufe der neu errichteten Ehrenhofstiege auch direkt in die Große Galerie gelangen. Bei offiziellen Anlässen mussten die Besucher den langen Weg des Antichambrierens von der Blauen Stiege bis zu den Audienzräumen des Kaiserpaares im Ostflügel zurücklegen, um dem höfischen Zeremoniell zu entsprechen.

Zu weiteren Umbauten dieser Zeit zählten auch die Verbindungsarkaden zu den Seitentrakten entlang des Ehrenhofes, die als Kavaliertrakte zur Unterbringung für das höher gestellte Hofpersonal dienten. Daran anschließend wurden weitläufige Wirtschaftsgebäude Richtung Meidling – darunter auch die Orangerie – und Richtung Hietzing errichtet. Diese Nebengebäude waren dringend notwendig, da die Benützung des Schlosses als Residenz und die damit verbundene Anwesenheit des gesamten Hofstaates eine entsprechende wirtschaftliche Versorgung erforderte. Schließlich musste Schönbrunn die Unterbringung und Versorgung von mehr als 1000 Personen gewährleisten.

Auf ausdrücklichen Wunsch Maria Theresias wurde im nördlichen Hoftrakt auch ein Schlosstheater errichtet und 1747 feierlich eröffnet. Als Sänger und Schauspieler betätigten sich unter anderem die zahlreichen Kinder der Kaiserin. Sie selbst tat sich seit ihrer Jugend als talentierte Sängerin hervor.

Bald nach 1750 sah sich Maria Theresia wiederum gezwungen, einen weiteren Ausbau des Schlosses in Angriff zu nehmen, dessen Planung und Ausführung von 1753–1763 ausschließlich in den Händen Pacassis lag. Durch das stete Anwachsen der kaiserlichen Familie und den damit verbundenen Bedarf an Räumlichkeiten wurde nun auch der Einbau eines Zwischengeschosses im westlichen Seitenflügel realisiert. Nachdem nun durch diesen baulichen Eingriff auch die Symmetrie am Außenbau hergestellt war, konnte die Fertigstellung der Fassaden in Angriff genommen werden. Die Gemälde des Schlosses Schönbrunn von Bernardo Belotto – genannt Canaletto – aus den Jahren 1759/60 zeigen die Hof- und Gartenfassade in ihrer kleinteiligen Gliederung und mit überaus reichem Fassadendekor, ein Erscheinungsbild, das die ehemalige Schönbrunner Fassade als bedeutendes Beispiel des Rokoko auszeichnet.

Die Arbeiten der zweiten Umbauphase ab 1753 bis in die Mitte der 1760er Jahre beschränkten sich nicht nur auf räumliche Erweiterungen in den Obergeschossen des Hauptgebäudes und der Außenanlagen, sondern schlossen auch die Ausstattung der Repräsentationsräume mit ein. Die Große Galerie wurde analog zu der bereits in der ersten Ausstattungsphase gewölbten und mit einer Stuckmarmorfassung versehenen Kleinen Galerie ebenfalls gewölbt. Die ursprüngliche Trennung der beiden Festsäle mit Glastüren wurde zugunsten einer Raumzusammenführung aufgegeben und mit einer prunkvollen Stuck- und Freskoausstattung vereinheitlicht, die sie als eine der bedeutendsten Rokoko-Raumschöpfungen auszeichnen. Die Fresken wurden von Gregorio Guglielmi zwischen 1755 und 1761 ausgeführt, 1761/62 erfolgte die Stuckausstattung durch Albert Bolla.
Auch die gartenseitigen Räume wurden zum Großteil im typischen Rokoko-Dekor mit überaus verspielten Formen, sogenannten Rocaillen, mit Spiegeln und wandfesten Gemälden ausgestattet.
Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen die weitgehend privaten Räume der Beletage, die neben ihrer luxuriösen Ausstattung auch Zeugnis von der Vorliebe Maria Theresias für die Kunst Ostasien – Porzellan, Lacke und Seidenstoffe - und für Chinoiserien ablegen.
So entstanden im Zuge der Neuausstattung der Großen und Kleinen Galerie auch die beiden daran angrenzenden Chinesischen Kabinette (1754 – 1759) sowie das Porzellanzimmer und das sogenannte Millionenzimmer (1763 – 1765).

Nach dem plötzlichen Tod Kaisers Franz I. Stephan im Jahre 1765, der Maria Theresia besonders schwer traf, folgte eine neuerliche Ausstattungsperiode.

Die verwitwete Kaiserin ließ das Arbeitszimmer (Retirade) ihres Gemahls im Ostflügel als Memorialraum einrichten und scheute keine Kosten, diesen als außergewöhnliches Ensemble mit kostbaren chinesischen Lacktafeln, mit einer wertvollen Holzvertäfelung und darin eingelassenen Gemälden berühmter Maler sowie mit prunkvollem Mobiliar ausstatten zu lassen, das sich bis heute erhalten hat.

Im Erdgeschoß ließ Maria Theresia zwischen 1769 und 1777 drei Appartements mit jeweils mehreren Räumen vom böhmischen Maler Johann Wenzel Bergl mit Landschaftsmalereien ausstatten. Sie selbst erhielt dabei ein privates, an der Gartenseite des Schlosses gelegenes (Sommer-)Appartement, zumal es ihr im Hochsommer in der Beletage zu heiß war und sie darüber hinaus auch das gemeinsame Schlafzimmer nach dem Tod des Kaisers nicht mehr benutzen wollte. Weiters erhielten ihre am Wiener Hof (noch) verbliebenen unverheirateten Kinder Maria Elisabeth und Maximilian Franz jeweils ein ebenfalls mit diesen Landschaftsmalereien ausgestattetes Appartement.

Diese sogenannten Bergl-Zimmer zeichnen sich durch die - großteils exotischen -Landschaftsmalereien aus, die sämtliche Wand- und Wölbeflächen überziehen und einzigartige Beispiele für Illusionsmalerei darstellen.

Als letztes Projekt nahm die Kaiserin in den 1770er Jahren die Ausgestaltung des Gartens unter der Leitung des Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg in Angriff, der dem Schönbrunner Park mit der Errichtung der Gloriette, des Neptunbrunnens, der Römischen Ruine und des Obelisken seine architektonischen Akzente verlieh. Zudem wurden die Alleen, Brunnen und Plätze mit zahlreichen antiken Statuen und Skulpturen, ausgeführt von Wilhelm Beyer und seiner Werkstatt, bereichert. Die Umgestaltung des Schlosses und des Gartens kam erst kurz vor dem Tod Maria Theresias 1780 zum endgültigen Abschluss.

Wie Maria Theresia bereits in einem Brief an ihre Tochter Marie Antoinette besorgt geäußert hatte, zeigte ihr Sohn Kaiser Joseph II. für die Sommerresidenz Schönbrunn kaum Interesse und verfügte lediglich: „in Schönbrunn soll alles in dem Stand, wie es dermalen ist, bis jetzt annoch belassen werden.“
Er ließ die notwendigen Erhaltungsarbeiten durchführen, darunter die Neueindeckung der Kavaliertrakte seitlich des Ehrenhofes mit Walm- anstelle der Flachdächer, um den Witterungsschäden vorzubeugen.

Weiterführende Literatur-Tipps:

  • Lorenz, Hellmut (Hrsg.). Barock. Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich. Band 4. Österreichische Akademie der Wissenschaften. München-London-New York 1999
  • Iby, Elfriede. Schönbrunn als Residenzschloss Maria Theresias. Zur Raumdisposition der kaiserlichen Appartements und der Repräsentationsräume. Beitrag im Tagungsband anlässlich der Ausstellung „Friederisiko“ Potsdam 2012.

Baugeschichte 19. Jahrhundert

Nach dem Tod Maria Theresias 1780 wurde Schönbrunn erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Kaiser Franz II./I. wieder genutzt. Anlässlich des Wiener Kongresses 1814/15 zeigte sich deutlich, dass Schönbrunn einer dringenden Renovierung und Neueinrichtungen dem Stil der Zeit entsprechend bedurfte. Die Erneuerung der Fassade bildete den Abschluss der Arbeiten und das Schloss erhielt unter der Leitung des Hofarchitekten Johann Aman sein heutiges Erscheinungsbild.

Baugeschichte 19. Jahrhundert

Schloß Schönbrunn war nach dem Tod Maria Theresias seit 1780 unbewohnt und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Kaiser Franz II./I. wieder als Sommerresidenz genutzt. In diese Epoche fällt auch die zweimalige Besetzung Schönbrunns in den Jahren 1805 und 1809 durch Napoleon, der auch die ehemaligen Räume des kaiserlichen Appartements Franz I. Stephans im Ostflügel bewohnte. Anlässlich des Wiener Kongresses 1814/15 zeigte sich deutlich, dass Schönbrunn einer dringenden Restaurierung sowie einer Neueinrichtung der nunmehrigen kaiserlichen Familie im vorherrschenden Wohnstil bedurfte. Im Zuge der Erneuerungen unter Kaiser Franz II./I. kam zwischen 1817 und 1819 auch eine neue Fassadengestaltung nach den Plänen des Hofarchitekten Johann Aman zur Ausführung, die entscheidende Veränderungen mit sich brachte. Aman entfernte den reichen Rokoko-Fassadendekor Pacassis und gab dem Schloss sein heutiges Erscheinungsbild mit einer nüchternen und auf wenige Schmuckelemente reduzierten Gestaltung.

Die Ausführung des heute für die gesamte Schlossanlage typischen „Schönbrunnergelb“ geht der jüngeren Forschung zufolge nicht auf die Umgestaltung des frühen 19. Jahrhunderts zurück, sondern wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum gängigen Fassadenschema mit einer Färbelung in zwei verschiedenen Gelb- und Gelbockertönen für Wandflächen und Architekturteile der Schönbrunner Gebäude.

Das Schönbrunnergelb
Die Geschichte des Schönbrunnergelb erfreut sich bei BesucherInnen wie auch in der 

einschlägigen Forschung über großes Interesse. Den jüngsten Putz- und Farbuntersuchungen zufolge war das ehemalige Jagdschloss des Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach in hellen Orange- und Ziegelrottönen (für die Nullflächen) mit weiß (architektonische Gliederungselemete) gefärbelt.

Zur Zeit Maria Theresias erhielt das Schloss zuerst eine goldocker und in den 1770er Jahren eine hellocker Farbe mit weißen beziehungsweise hellbeigen Gliederungselementen. Johann Aman, der Hofarchitekt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, verwendete für die im klassizistischen Formenkanon veränderte Fassade eine monochrome hellgraue (= steinsichtige) Fassadenfarbe.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich das typisch werdende Schönbrunnergelb, möglicherweise als bewußten Rückgriff auf die mariatheresianische Epoche, durch.

1830 wurde Franz Joseph im Ostflügel des Schlosses geboren, den seine Eltern Franz Karl und Sophie bewohnten. Franz Joseph, von seiner ehrgeizigen Mutter seit den ersten Lebensjahren auf die Rolle des zukünftigen Thronfolgers vorbereitet, verbrachte bereits während seiner Kindheit und Jugend die Sommermonate in Schönbrunn. Als er 1848 den Thron bestieg, sollte das Schloss wiederum eine glanzvolle Epoche erleben. Schon als junger Kaiser erkor Franz Joseph Schönbrunn zu seinem Lieblingswohnsitz, in dem er den Großteil seines Lebens verbrachte. Er bezog die zum Ehrenhof gelegenen Räumlichkeiten des Westflügels, die er bis zu seinem Tod am 21. November 1916 bewohnte.

Sein Appartement setzte sich in einer kontinuierlichen Abfolge aus Audienz-, Arbeits- und Schlafzimmer zusammen. Beim Audienzzimmer wurde die kostbare Nussholzvertäfelung aus der maria-theresianischen Zeit belassen, die Möblierung übernahm Franz Joseph von seinem Onkel und Vorgänger Kaiser Ferdinand I. von Österreich. Die anschließenden Privaträume des Kaisers wurden in den 1860iger Jahren neu möbliert und ausgestattet.

Anlässlich der bevorstehenden Hochzeit mit Elisabeth, Herzogin in Bayern, im Jahre 1854 wurden Adaptierungsarbeiten im Westflügel zum Hietzinger Kammergarten für die zukünftige Kaiserin vorgenommen. Auch das Elisabeth-Appartement umfasste mehrere Räume, von denen der Salon der Kaiserin das Zentrum bildete. Hier empfing die Kaiserin ihre persönlichen Besucher. Die nach Norden anschließenden Räume wie das gemeinsame Schlafzimmer, das Toilettezimmer und das Stiegenkabinett dienten Elisabeth als Privatgemächer und wurden mit schweren Palisanderholzmöbeln ausgestattet. Das sogenannte Stiegenkabinett diente als Schreibzimmer. Die 1863 eingebaute und nach dem Ende der Monarchie abgebrochene Wendeltreppe, die dem Raum den Namen gab, ermöglichte einen direkten Zugang in die Erdgeschoßräume.

Diese unter ihrem Appartement liegenden Gartenappartements wurden mit ausschließlich privater Funktion, ähnlich wie später in Gödöllö, neu ausgestattet. Diese Gemächer setzten sich aus einem großen Salon und wahrscheinlich auch aus dem obligatorischen Turnzimmer zusammen. Die Wände waren spaliert und die Möbel in ihrer Lieblingsfarbe lila tapeziert. Im Erdgeschoß des Schlosses wurden auch die Appartements 

Lieblingsfarbe lila tapeziert. Im Erdgeschoß des Schlosses wurden auch die Appartements für die Kinder Franz Josephs und Elisabeths eingerichtet.

Im Anschluss an die Gemächer der Kaiserin lagen die Räumlichkeiten für die älteste Tochter Gisela an der westlichen Südseite des Schlosses, für den Kronprinzen Rudolf wurde ab 1867 das sogenannte Kronprinzen-Appartement an der Meidlinger Seite zum Kronprinzengarten etabliert. Zum Appartement gehörten auch die südseitig gelegenen Weißgoldzimmer als Repräsentationsräume, die heute für Veranstaltungen genutzt werden.
Im gesamten Erdgeschossbereich blieben die aus der maria-theresianischen Zeit stammenden Deckenstuckdekorationen, die Holzvertäfelungen im Weißgold-Akkord und die auf Leinwand ausgeführten Landschaftsmalereien weitgehend erhalten.

Anlässlich der bevorstehenden Weltausstellung im Jahre 1873 in Wien und nach dem Tod des Erzherzogpaares Franz Karl und Sophie, die Eltern Franz Josephs, erfolgten ab 1869 bis 1880 umfangreiche Restaurierungen mit Rücksicht auf die ehemalige Rokoko-Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, die ergänzt beziehungsweise im Neorokoko als Ausdruck des imperialen Stils wieder hergestellt wurden. Die Arbeiten erstreckten sich auf die beiden Galerien und die Gemächer im Ostflügel, die als Appartements für Gäste beziehungsweise für eine angemessene Repräsentation des Wiener Hofes zur Verfügung standen. In diesen Räumen wurden die Wände mit Tapisserien aus den kaiserlichen Sammlungen oder mit rotem Ananasdamast neu spaliert.

Weiterführende Literatur-Tipps:

  • Iby, Elfriede. Von „Taffett“, Gaze und Rosenholz. In: Vavra, Elisabeth (Hrsg.). Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich. Katalog zur oberösterreichischen Landesausstellung. Band 2. Augsburg 2012
  • Iby, Elfriede. Die kaiserlichen Appartements in Schönbrunn von 1835 bis 1918. In: Telesko, Werner. Die Wiener Hofburg zwischen 1835 und 1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des „Kaiserforums“ (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse 446. Veröffentlichung zur Kunstgeschichte. Wien  2013)
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