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Berglzimmer

Berglzimmer

Maria Theresia litt in zunehmendem Alter immer mehr unter der sommerlichen Hitze; daher ließ sie sich noch in ihrem letzten Lebensjahrzehnt eigene Sommerzimmer im Erdgeschoß des Schlosses Schönbrunn einrichten. Dabei erhielten die an der gartenseitigen Front gelegenen Räume in den Jahren 1769 bis 1778 eine neue Ausstattung, für die sie den böhmischen Maler Johann Wenzel Bergl beauftragte.

Neben dem für die Kaiserin bestimmten Appartement wurden auch Appartements für zwei ihrer Kinder – für Maximilian Franz im südseitigen Westflügel und für Elisabeth in dem zum Kammergarten ausgerichteten Ostflügel – eingerichtet.

Die lange und nur mehr teilweise noch gebräuchlichen Bezeichnungen als Goëss-Appartement (heute Sommerappartement Maria Theresias), Kronprinzen-Appartement und Gisela-Appartement gehen auf die jeweiligen Bewohner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück – nämlich auf Kaiserin Elisabeth und ihre Kinder. Für diese Nutzung war teilweise bereits im 19. Jahrhundert eine Restaurierung notwendig.

Die heute allgemein auch Bergl-Zimmer genannten Räume zeichnen sich vor allem durch ihre Ausstattung mit exotischen Landschaftsmalereien bis hin zum konstruierten barocken Garten aus, eine Illusionsmalerei, die die Verschmelzung der Räume mit der sie umgebenden Natur zum Ziel hatte.
Anders als lange Zeit vermutet wurde, musste sich Bergl bei einigen seiner Motive aus Flora und Fauna mit Vorlagen begnügen, auch wenn in den

Pflanzensammlungen des Hofes, die durch die von Franz I Stephan geförderten Expeditionen laufend bereichert wurden, ein reicher Bestand vorhanden war.

Die Vorliebe für das Exotische lässt sich im Zuge der aufkommenden Romantik aus der Sehnsucht nach einer idyllischen Welt fern von jeder Etikette erklären. Man bewunderte die Einfachheit und Natürlichkeit der fremden Länder und sah darin die Erfüllung des Traumes von Arkadien, dem Land guter ländlicher Sitten und stillen Friedens.

Die immer als exotische Landschaftszimmer bezeichneten Räume, deren ursprüngliche künstlerische Qualität durch die Restaurierungen in den 2000er Jahren wieder zum Vorschein kam, weisen eine unvergleichbare Einzigartigkeit im europäischen Raum auf. Die heute noch vorhandenen drei vollständig bemalten Raumgruppen zählen neben den Räumen mit ostasiatischen Lackarbeiten und Porzellanen in der Nobeletage zu den kostbarsten Raumensembles des Schlosses.

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