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Römische Ruine

Römische Ruine

Ursprünglich als „Ruine von Karthago“ bezeichnet, steht die Römische Ruine am Fuße des bewaldeten Schönbrunner Berges. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um ein von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg entworfenes Ensemble. Es wurde im Jahre 1778 erbaut und ist gänzlich in die umgebene Natur - eine romantische Gartenkulisse - eingebunden. Ruinenbauwerke wurden zwar schon vor der Mitte des 18. Jahrhunderts in England angeregt, fanden jedoch erst Jahrzehnte später weite Verbreitung.

Römische Ruine als Vorbild
Hohenberg schuf die Römische Ruine in Schönbrunn als vollständigen Neubau nach dem römischen Vorbild des antiken Vespasian und Titus-Tempels, dessen Überreste durch den um 1756 entstandenen Stich von Giovanni Battista Piranesi überliefert waren.  Anders als beim Bau der Gloriette wurden sämtliche Architekturteile des Bauwerkes, die Säulen ebenso wie die Reliefs, unter der Anleitung des Hofarchitekten neu hergestellt, wie erst jüngst nachgewiesen werden konnte. Die Steindekorationen wurden von den Bildhauern Beyer, Henrici und Franz Zächerle angefertigt; Spolien aus dem Neugebäude wurden lediglich für die dekorativen Steinarrangements rund um die Anlage verwendet.

Zentrum des Ensembles
Das Ensemble besteht aus einem rechteckigen Bassin, das von einem mächtigen Rundbogen mit seitlichen Mauerflügeln eingefasst wird und den Eindruck eines in den Boden versinkenden antiken Gebäudes erweckt. Zentrum der Anlage bildet der Rundbogen mit einem fragmentierten Architrav und Fries, der mit Reliefs von verschiedenen Opfergeräten nach römischem Vorbild geschmückt ist. Die rechtwinkelig nach vor gezogenen Flügelmauern weisen neben dem Reliefdekor auch antikisierende Figuren und Büsten als zusätzlichen Schmuck auf.

Donau & Enns
Im Bassin vor der Ruine befindet sich eine Figurengruppe der Flussgötter Donau und Enns, die Wilhelm Beyer schuf. Die hinter dem zentralen Rundbogen aufsteigende Waldschneise war ursprünglich in Terrassenstufen gegliedert, die eine Wasserkaskade simulieren sollten; sie führten zur Statue des Herkules, der mit dem dreiköpfigen Höllenhund Cerberus und personifizierten Lastern kämpft, während er bereits auf der besiegten schlangenköpfigen Hydra steht.

Ruine von Karthago
Die zur Zeit der Erbauung geläufige Bezeichnung als Ruine von Karthago lässt vermuten, dass neben dem romantischen Stimmungswert, der vom Architekten angestrebt wurde, auch auf den Sieg Roms über Karthago angespielt wurde. Nachdem die Habsburger über Jahrhunderte im Besitz der römisch-deutschen Kaiserwürde waren und sich damit als legitime Nachfolger des einstigen römischen Imperiums sahen, sollte in diesem Bauwerk ebenso der dynastische Anspruch zum Ausdruck kommen.

 

Interessante Literatur:

  • Dahm, Friedrich (Hrsg.): Die Römische Ruine im Schlosspark von Schönbrunn. Forschungen – Instandstetzung – Restaurierung. Wissenschaftliche Reihe Schönbrunn. Band 8. Wien 2003
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