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14. Dezember 2017

„Chinesische Kabinette“ erstrahlen in neuem Glanz

Ostasiatische Porzellanvasen, -figuren und -behälter galten im 18. Jahrhundert als unverzichtbare Prestige-Objekte und prägten die fürstliche Wohnkultur. Auch Maria Theresia war eine leidenschaftliche Sammlerin fernöstlicher Kunst. Das zeigt sich insbesonders beim Raumensemble der Ostasien- bzw. „Chinesischen“ Kabinette von Schloß Schönbrunn. Jetzt wurde die aufwändige Renovierung der beiden Räume samt Ausstattung fertig gestellt.

Noch ein paar letzte Handgriffe und die „Chinesischen Kabinette“ im Schloß Schönbrunn entsprechen weitgehend wieder dem Originalzustand – wie zu Zeiten Maria Theresias, als sie die Kabinette u.a. für vertrauliche Besprechungen nutzte. Den nun abgeschlossenen Restaurierarbeiten ging eine detaillierte Recherche voraus: Von den Porzellanobjekten bis zu den Lacktafeln an den Wänden wurde alles unter die Lupe genommen, auf seine Herkunft überprüft und restauriert.

„Als UNESCO-Weltkulturerbe gelten für das Schloß Schönbrunn die höchsten Maßstäbe, wenn es um Restaurierungen geht. Mit der umfassenden Renovierung der Chinesischen Kabinette haben wir jetzt ein besonderes Projekt finalisiert“, so Mag. Klaus Panholzer, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H (SKB), „Wichtig war es uns, so nahe wie möglich am Original zu sein, um den Besuchern und Besucherinnen einen authentischen Eindruck der damaligen Zeit zu vermitteln. Als Betreiber von drei der wichtigsten Erbstätten imperialer Kultur in Wien hat die SKB mit dieser Restaurierung einen sehr wichtigen Beitrag zur Erhaltung des originalen Charakters der imperialen Anlage von Schloß Schönbrunn getätigt.“

Dr. Elfriede Iby, Leitung Forschung und Dokumentation der SKB: „Nur dank der umfassenden Forschung über die Kabinette inklusive der Restauriergeschichte als Grundlage konnte eine konservatorisch einwandfreie und im Vergleich zu der anfänglichen Kostenschätzung auch ökonomische Restaurierung der Kabinette umgesetzt werden. Die Untersuchungen wurden im Juli 2012 begonnen. Ab 2015 erfolgte die Restaurierung, die nun im Dezember 2017 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Gesamt dauerte das Projekt somit 5,5 Jahre und es wurden 1,647 Millionen Euro von der SKB investiert,“ fasst Mag. Klaus Panholzer die Eckdaten der Restaurierung zusammen.

Einzigartige Sammlung in Maria Theresias Konferenzzimmer
Wie viele Herrscher zu ihrer Zeit hatte auch Maria Theresia ein nachweisbares Faible bzw. eine sehr große Bewunderung für Kunstgegenstände aus China und Japan. Diese Objekte aus Fernost, von Maria Theresia als „indianisch“ bezeichnet, finden sich in mehreren Räumen des Schloßes Schönbrunn wieder, in der Mehrzahl im runden und im ovalen ostasiatischen Kabinett („Chinesische Kabinette“). Diese dienten ihr als Konferenzzimmer für vertrauliche Besprechungen, zum Beispiel mit Staatskanzler Kaunitz.

In die weiß gefassten Wandvertäfelungen mit reich vergoldeten Rocaillen zählen neben den Porzellanobjekten vor allem die kostbaren chinesischen Lacktafeln in verschiedenen Größen und Formen – mit Architekturen und Landschaften bemalt – zu den Prunkstücken der Räume.

Jahrelange Recherche als Grundlage
Der Restaurierung vorangegangen waren jahrelange wissenschaftliche Untersuchungen – durchgeführt von der Universität für Angewandte Kunst Wien. Im Zuge dessen mussten Herkunft, Material und Restauriergeschichte der 242 Porzellangefäße, 10 überaus seltene wertvolle Lackfläschchen und 133 Lacktafeln genau untersucht werden. Das hieß, dass die vorhandenen Gegenstände erst einmal demontiert werden mussten, um den Herkunftsstempel auf der Behälter-Unterseite sichtbar zu machen. Das Ergebnis: ein Großteil stammt aus China und Japan, einige Objekte sind europäischer Provenienz und ergänzten bereits zur Zeit Maria Theresias diese ostasiatische Sammlung von Porzellanen.

Im Verlauf des 19. wie auch des 20. Jahrhunderts gab es einen entsprechenden „Schwund“, der u.a. auch der Zerbrechlichkeit der Porzellane geschuldet war. Daher musste diese Ausstattung immer wieder ergänzt werden, weshalb sich heute auch Objekte aus dem 19. Jahrhundert auf den Konsolen der Kabinette befinden. Der bereits „historisch“ konstatierte Fehlbestand von 51 Objekten ist auch auf Verluste der jüngeren Vergangenheit zurückzuführen. Dieser bleibt vorläufig aktuell und es gibt intensive Bestrebungen seitens der SKB, diesen Fehlbestand zu beheben und in Form und Herkunft ähnliche Porzellane zu erwerben oder die verschwundenen Originale in anderen Sammlungen ausfindig zu machen. Damit könnten dann die heute leeren Konsolen wieder bestückt werden.

Auch die Herkunft der Lacktafeln förderte erstaunliche Ergebnisse zutage: denn die meisten davon waren ursprünglich Paravents, die für die Ausstattung der Ostasienkabinette zerschnitten wurden. Bei der um 1900 geplanten Restaurierung der Lacktafeln, die vermutlich aufgrund von Lichteinwirkung restaurierbedürftig waren, wurden die Lacktafeln demontiert, Vorder- und Rückseiten voneinander getrennt und die ehemaligen Rückseiten der Paravents als Vorderseiten eingebaut. Auf Fotos aus der Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhunderts konnte man die Unterschiede bei den Motiven auf den Lacktafeln erkennen, wodurch klar war, dass die Ausstattung der Kabinette nicht dem Originalzustand von 1760 entsprach und wohl eine spätere Veränderung erfahren hatte. Diese Umgestaltung wurde im Rahmen der Restaurierung wieder rückgängig gemacht.

Neues Montagekonzept
Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Porzellanobjekte häufig innerhalb und zwischen den Kabinetten getauscht und umgestellt wurden. Hatten sie dann ihren richtigen Platz, wurden sie mit unterschiedlichsten Klebemitteln so fest wie möglich montiert, um sie vor Diebstahl zu schützen. Diese Vorgehensweise wurde von den Restauratoren und Restauratorinnen als überaus problematisch angesehen. Das zeigt sich auch im neuen Montagekonzept, das auf die Verwendung von formbaren Wachsen setzt – weiches Knetwachs für leichte Porzellane, härteres Wachs für die schweren. Die Wachsvarianten wurden eigens geprüft und umfangreichen Tests unterzogen.

Zur weiteren Stabilisierung wurden außerdem historische Schrauben wiederverwendet. Wo keine Schrauben mehr vorhanden waren, wurden neue Stifte aus Acrylglas produziert. Teil des wissenschaftlichen Forschungsprojekts, finanziert durch den FWF, bildeten auch Musterrestaurierungen an ausgewählten Porzellanobjekten und Lackflaschen, durchgeführt von Studierenden am Institut für Konservierung und Restaurierung der Angewandten. So konnten geeignete Maßnahmen zur Konservierung entwickelt und erprobt und die Objekte schlussendlich wieder sicher auf den Konsolen positioniert werden.

Erfolgreiche Zusammenarbeit
Die umfangreichen Untersuchungen und die wissenschaftliche Forschung zu diesem Projekt konnten dank der jahrelangen Kooperation mit dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für Angewandte Kunst Wien und durch die großzügige Bereitstellung der finanziellen Mittel durch den FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) erfolgreich umgesetzt werden und direkt in das Restaurationsprojekt dieser außergewöhnlichen Prunkräume des Schlosses einfließen. In bewährter Weise wurde das Projekt auch tatkräftig durch das Bundesdenkmalamt unterstützt.

Besucherinformation
Die restaurierten „Chinesischen Kabinette“ können ab sofort täglich in der Beletage (1. Stock) von Schloß Schönbrunn im Rahmen der Imperialen Tour und der Grand Tour besichtigt werden und sind somit im Ticketpreis inkludiert.

Alle Fotos finden Sie unter: http://transfer.tatwort.at/public.php?service=files&t=c833f1512dd11befd4eb8b45c1c122ad

Mehr Informationen finden Sie unter: www.schoenbrunn.at

Presserückfragen:
Alexandra Koch
tatwort Nachhaltige Projekte GmbH
alexandra.koch@tatwort.at
Tel. +43 1 409 55 81-216
 
Presserückfragen:
Mag.a Petra Reiner
Stabstelle Unternehmenskommunikaton & Pressesprecherin
Schloß Schönbrunn Kultur- u. Betriebsges.m.b.H.
reiner@schoenbrunn.at
Tel.: +43 1 811 13 461

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